Digitaler Job-Monitor: 3D-Druck entwickelt sich zum Motor

Digitaler Job-Monitor: 3D-Druck entwickelt sich zum Motor

Um 550 Prozent sind die ausgeschriebenen Positionen für 3D-Druck-Experten im dritten Quartal gestiegen. Das bedeutet den höchsten Zuwachs, den der digitale Job-Monitor in einem Jahresvergleich bisher ergeben hat. Der Grund für den Nachfragesprung liegt im technischen Fortschritt: 3D-Druck – oder additive Manufacturing (AM) in der Fachsprache –  hat den Schritt aus den Testlabors in die Fabrikhallen geschafft. „Der industrielle 3D-Druck ist in zahlreichen Branchen in der Serienfertigung angekommen. Dadurch steigt die Nachfrage nach Experten nicht nur bei Anbietern von Additive-Manufacturing-Lösungen, sondern auch bei den Kunden, die diese Technologie einsetzen“, sagt Adrian Keppler, CEO des deutschen Marktführers EOS aus Krailing bei München.

Denn mit den Druckern lassen sich längst nicht mehr nur Kunststoffe verarbeiten. Auch Metall, Glas, Keramik und sogar Gips lassen sich auf diese Weise zu komplexen Produkten verbinden. Diese sind nicht nur leichter als traditionell hergestellte Güter, was zum Beispiel die Flugzeug- oder Autohersteller schätzen, sondern oft auch stabiler und billiger herzustellen. Ideal sind 3D-Drucker für Kleinserien oder Einzelanfertigungen, um auf die Schnelle einen Prototyp herzuzaubern oder auf individuelle Kundenwünsche zu reagieren. Adidas produziert Turnschuh-Sohlen mit 3D-Druckern, deren Farben wählbar sind. Geringere Kosten versprechen sich Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Ersatzteile für die Züge nicht mehr aufwendig auf Vorrat beschaffen und lagern, sondern nur noch bei Bedarf drucken möchte.  „Gelagert“ wird nur noch der digitale Bauplan.

Investitionen wachsen 67 Prozent im Jahr

Das Umkrempeln ganzer Branchen wie der Hörgeräteindustrie, die ihre Produktion in wenigen Jahren komplett auf die neue Technik umgestellt hat, ist zwar bisher noch die Ausnahme. Doch das Potenzial, sogar Produktionskapazitäten aus Billiglohnländern zurückzuholen, lockt viele Interessenten an. Die Investitionen in 3D-Drucktechnik werden bis 2020 jährlich um 67 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar, schätzt das Marktforschungsunternehmen Gartner. Entsprechend bringen sich die Unternehmen in Stellung: Der US-Mischkonzern General Electric hat die europäischen Anbieter Arcam,  Concept Laser und GeonX übernommen und gemeinsam mit BMW 80 Millionen Dollar in das 3D-Druck-Startup Carbon gesteckt. Deutschland und die USA gelten als die Pioniermärkte für 3D-Druck. Deutschland liegt bei Metalldruckern vorne; die USA führen die Sparte der Kunststoff-Drucker an.

Industrie sucht verzweifelt nach Fachleuten

Der Arbeitsmarkt kann das Tempo allerdings (noch) nicht mithalten. „Die Industrie sucht inzwischen händeringend nach Fachleuten“, bestätigt Rainer Gebhardt von der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing. Benötigt werden vor allem Maschinenbauer, Physiker, Elektrotechniker, Mechatroniker oder Materialentwickler. „Immer wichtiger für den 3D-Druck werden auch Softwareentwickler“, sagt Uwe Bögershausen, Finanzvorstand des Druckerherstellers SLM Solutions. Anders als bei für die Experten für künstliche Intelligenz wirbt das Ausland die besten Köpfe nicht aus Deutschland ab. „Die Keimzelle der Technologie befindet sich weiterhin in Deutschland, so dass viele Spezialisten im Lande bleiben möchten“, beobachtet Bögershausen.

Der aktuelle Nachfrageüberhang am Arbeitsmarkt ist aber erst der Anfang. „3D-Druck wird in den nächsten Jahren deutlich an Fahrt gewinnen“, erwartet Christian Pokropp, Geschäftsführer von Klöckner.i. In seiner Digitalsparte bereitet sich der Metallhändler intensiv auf die digitale Transformation seiner Branche vor: Mit dabei: Ein brandneuer 3D-Drucker des Berliner Startups bigrep. „Meine Leute sind ganz heiß darauf, mit der Maschine zu arbeiten“, sagt Pokropp. Er setzt vor allem auf die interne Weiterbildung, um dem Bedarf an Spezialisten zu decken. Der Maschinenbauer Trump im schwäbischen Ditzingen vertraut ebenfalls auf das eigene Team: „Der aktuelle Arbeitsmarkt gibt die benötigten Spezialisten nur begrenzt her. Wir haben daher einen großen Fokus auf die interne Weiterbildung und Entwicklung unserer Mitarbeiter gerichtet“, sagt eine Sprecherin. Aktuell beschäftige Trumpf mehr als 200 Mitarbeiter in dem Feld, rund 100 zusätzliche Stellen sind in den nächsten Monaten geplant. Zahlreiche Trumpf-Spezialisten geben ihr Wissen auch schon als Dozenten an Universitäten weiter, um den Nachwuchs der Zukunft gleich mit auszubilden. An vielen Hochschulen werden gerade neue Institute für 3D-Druck eingerichtet oder klassische Maschinenbau-Lehrstühle erweitert. Der VDI bietet eine Qualifizierung zum „Fachingenieur Additive Fertigung VDI“ an. Und wer sich nicht vom Schreibtisch wegbewegen will: Udemy, Coursera oder die MIT-Plattform edX bieten Online-Kurse zum Thema an.

Zum digitalen Job-Monitor: Die Berliner Index-Gruppe erfasst alle ausgeschriebenen Jobprofile in Deutschland. Für das Handelsblatt ermitteln wir daraus die ausgeschriebenen Digital-Jobs in Deutschland. Wichtig ist uns vor allem der Blick auf das Wachstum, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.