Deutsche Arbeitnehmer unterschätzen die Wirkung der Digitalisierung auf ihre Jobs

Deutsche Arbeitnehmer unterschätzen die Wirkung der Digitalisierung auf ihre Jobs

Deutsche Arbeitnehmer haben offenbar nur eine geringe Ahnung, wie die Digitalisierung ihre Jobs verändert. Nach einer Repräsentativbefragung des Jobportals Indeed kennen nur 27 Prozent den Begriff „Industrie 4.0“ und nur jeder Zehnte sieht seinen Job durch die Digitalisierung gefährdet. Zwar wächst die Erkenntnis, dass Änderungsbedarf besteht, aber allzu groß ist sie noch nicht: Die Mehrheit der Befragten (57 Prozent) geht nur von einer leichten Änderung aus; lediglich 27 Prozent erwarten einen starken Wandel ihres Jobs.

Die Sorglosigkeit über die Zukunft des eigenen Berufs ziehe sich durch alle Beschäftigungsbereiche. „Besonders auffällig ist die Fehleinschätzung in höherqualifizierten Dienstleistungsberufen“, sagt Frank Hensgens, Deutschland-Chef von Indeed. Erstaunlicherweise sehen vier von fünf Arbeitnehmern aus der Finanz- und Versicherungsbranche ihre Jobs als sicher an. Dabei steht gerade den Banken ein grundlegender Umbau sowohl der ineffizienten IT im Back-End als auch im Kontakt mit Kunden bevor. Die niederländische ING hat gerade angekündigt, eine Milliarde Euro in ihre IT zu investieren und dafür 5800 Stellen abzubauen. Ähnlich sorglos sind die Beschäftigten in der Produktion, in der die Automation mit Hilfe künstlicher Intelligenz und flexibler Roboter deutlich weiter voranschreiten wird als bisher.

Dabei gilt eine einfache Regel: Je höher der Anteil der Routinetätigkeiten ist, desto höher ist auch die Automatisierungswahrscheinlichkeit. Das gilt erstmals nicht nur für Maschinenbediener oder einfache Handlanger in der Industrie, sondern auch für Bürojobs wie Buchhalter, Controller, Analysten und sogar IT-Administratoren. Künstliche Intelligenz kann diese Aufgaben meist billiger und oft auch besser erledigen. Fünf Millionen Jobs könnten mit moderner Technik in Deutschland komplett automatisiert werden, haben Forscher am ZEW in Mannheim errechnet. Zwar wird nicht jedes Automatisierungspotenzial auch automatisch erschlossen, doch mit steigendem technischen Fortschritt wird auch die Wahrscheinlichkeit zunehmen.

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Natürlich entstehen mit der Digitalisierung auch viele neue Arbeitsplätze, die aber in der Regel andere Qualifikationen voraussetzen. Für die großen Techniktrends „Künstliche Intelligenz“, „Internet der Dinge“ und „3D Druck“ werden händeringend Software-Spezialisten gesucht, die der Arbeitsmarkt im Moment aber nicht hergibt. Darunter leiden auch die Startups in Deutschland, die außerhalb Berlins inzwischen stark mit der klassischen Industrie um die besten Talente konkurrieren, in der Regel aber die Gehälter von Daimler oder Siemens nicht zahlen können.

Indeed hat die Arbeitnehmer auch nach wichtigen Qualifikationen für die Zukunft gefragt. Programmierkenntnisse landeten mit Abstand auf dem ersten Platz. Fremdsprachenkenntnisse, in der Vergangenheit immer eine der wichtigsten Qualifikationen in der Arbeitswelt, ordneten die Befragten nicht mehr so hoch ein. „Wichtig werden in der Zukunft vor allem Soft Skills wie Lern- und Analysefähigkeit sein, die den Wissenstransfer in neue Themenfelder und veränderte Jobprofile ermöglichen“, sagt Hensgens. Da sich der technische Fortschritt beschleunigt, entwertet sich auch das Wissen, das in Schulen oder Hochschulen vermittelt wird, immer schneller. Entsprechend gewinnt die Fähigkeit, sich schnell in neue Wissensgebiete einzuarbeiten, stetig an Bedeutung.

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