Was die Netzökonom-Leser 2015 am stärksten interessierte

Was die Netzökonom-Leser 2015 am stärksten interessierte

2015 ist das Jahr, in dem die Erkenntnis, vor einer „digitalen Transformation“ zu stehen, wohl in so ziemlich jedem Unternehmen angekommen ist. Okay, nach außen wird – wie bei VW und Daimler – weiterhin Gelassenheit demonstriert, doch eigentlich ist allen Entscheidern inzwischen klar, dass sich das mit der Digitalisierung wohl nicht mehr verschieben oder absagen lässt. Seitdem Google Autos baut oder von Ford als Massenhersteller bauen lässt, und seitdem Apple Autoingenieure am Fließband einstellt, haben sie auch in Stuttgart oder Wolfsburg den Knall gehört. Im Rest der Republik wohl auch. Und das ist gut so, denn das Tempo der Digitalisierung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Diese Lehre sollten wir aus der ersten Hälfte der Digitalisierung gezogen haben, als Medienmanager und Händler das Thema zuerst nicht hören wollten, dann eine Weile ignorierten, dann zu spät und nur halbherzig reagierten und heute zusehen müssen, wie sie sich auf den Plattformen der Amerikaner durchschlagen müssen. Die Medien auf Facebook, die Händler auf Amazon. Die Spielregeln definieren sie jedenfalls nicht mehr. Diese Entwicklung sollten die Unternehmen, deren Märkte nun digitalisiert werden, besser vermeiden.

Der Blick auf die Blog-Beiträge, die 2015 besonders häufig gelesen wurden, zeigt die spannenden Themen: Ökonomie der Plattformen, digitale Transformation der Wirtschaft, Arbeiten 4.0 und Breitband gehörten in die Top-10 im Netzökonom-Blog: (die Überschriften verlinken zum Originalbeitrag):

1. Der Medienwandel eines Jahrzehnts in 6 Charts

Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Mediennutzung und die Bedeutung der Medien für die Meinungsbildung dramatisch verschoben. Die Abkehr von der Zeitung hat sich seit 2010 noch einmal beschleunigt. Fernsehen und Radio verlieren vor allem in der Jugend. Bildschirmfoto 2015-12-03 um 13.14.22

2. Die Tipping-Points der Digitalisierung

„Der technische Fortschritt wird nie wieder so langsam sein wie heute“, sagte Googles Deutschland-Chef Philipp Justus unlängst. Tatsächlich werden wesentliche Tipping-Points für selbstfahrende Autos, 3D-Drucker oder Virtual Reality in der kommenden Dekade erwartet. Spannender Blick in die Zukunft.

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3. Nur 7 Prozent der deutschen Manager sind „Digital Leader“

Die Frage, wie gut Deutschland auf die digitale Transformation aufgestellt ist, beantworten Manager und externe Beobachter unterschiedlich: Während sich die Manager „digital ready“ fühlen, ist das Fremdbild weniger optimistisch. Nach einer Studie sind nur 7 Prozent der Entscheider in Deutschland als „Digital Leader“ einzustufen, die Digitalkenntnisse und Management-Qualität gleichermaßen mitbringen. Beides ist nötig, um das Kernproblem der digitalen Transformation in Deutschland zu lösen: Die eigenen Mitarbeiter zu motivieren und Geschwindigkeit aufzunehmen.

4. Die Jobs der Zukunft: Hauptsache digital

Ein langes Stück über ein Thema, das meiner Meinung nach unterschätzt wird: Was passiert auf dem Arbeitsmarkt, wenn Roboter und Machine Learning demnächst viele Jobs ersetzen? Werden schnell genug neue Arbeitsplätze entstehen und sind die Menschen dafür ausgebildet?  5 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland könnten in absehbarer Zeit automatisiert werden – erstmals auch in den Büros. Auf den Wandel sind viele Arbeitnehmer nicht vorbereitet.

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5. Maschinen werden Kollegen sein: 25 Thesen zur Zukunft der Arbeit

Wie sich die Arbeitswelt in einer digitalisierten Wirtschaft verändern könnte, zeigen diese 25 Thesen. Das Ende der Hierarchie, fester Arbeitsstrukturen und „Command and Control“ zeigt die eine Seite. Die Methoden, um die dringend benötigte Innovationskraft der Mitarbeiter zu steigern, die andere.

6. Digitale Disruption: Die Reihenfolge der erfassten Branchen

Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, wann welche Branche erfasst und oft eine Frage des Tempos, wer in der Branche am Ende als Sieger hervorgeht. Die Branchen, deren Produkte komplett digitalisierbar sind (Hightech, Medien, Finanzen) oder deren Produkte vorwiegend von privaten Konsumenten nachgefragt werden, sind schon in hohem Maße digitalisiert. B2B-Märkte folgen jetzt.

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7. Das Internet der Plattformen

Das Mega-Thema der Business Schools: Früher organisierte die „unsichtbare Hand des Marktes“ Angebot und Nachfrage, im digitalen Zeitalter treten Plattformen an ihre Stelle. In allen Branchen ist das Wettrennen um die besten Plätze losgegangen. Wer jetzt schläft, findet sich am Ende nur als Anbieter oder Nachfrager auf einer fremden Plattform wieder. Das große Geld aber verdient der Plattform-Betreiber.

8. Die hohe Schule der Kommunikation: Content Distribution

Das Thema, das Medien und PR schon 2015 in Atem gehalten hat und 2016 noch viel wichtiger wird: Content Distribution über Plattformen. Die eigene Website wird weniger wichtig, während immer mehr Medien ihre Inhalte nur noch auf Plattformen wie Facebook oder Instagram ausspielen. Die Huffington Post oder Buzzfeed werden diesen Weg konsequent weitergehen, den Facebook mit den Instant Articles geebnet hat. Mark Zuckerberg hat den Medien die Wurst vor die Nase gehalten – und die haben zugebissen. Google hat mit der Open-Source-Variante AMP nachgezogen. Auch für Unternehmen gilt: Inhalte, die nicht Plattform-kompatibel sind, haben es schwer.

9. Die Blaupause für Qualitätsmedien im Netz

Qualitätsmedien haben es auf Plattformen oft schwer, weshalb viele Anbieter sich auch in Richtung bezahlter Inhalte bewegen. Eine Umfrage zum Informationsverhalten der Manager zeigt klar, wie und wo sich diese zahlungskräftige Gruppe informiert und für welche Informationen bezahlt wird. Das Ergebnis liefert wertvolle Erkenntnisse, wie Verlage mit Online-Werbung und Pay Content den Umsatz maximieren. Die New York Times hat es vorgemacht; Nur mit beiden Erlösquellen kann der Verlust im Printgeschäft aufgefangen werden.

10. Deutschland fällt im Breitband-Wettbewerb weiter zurück

Ein Dauer-Aufregerthema: Deutschland und Breitband. Das heißt, das fehlende Breitband. Denn der weitgehende Verzicht auf Glasfaser ist inzwischen ein klarer Standortnachteil für Deutschland. Während viele Länder in die Zukunftstechnologie Glasfaser investieren, geben wir uns mit 50 MBit/s zufrieden. Ein Armutszeugnis für ein so reiches Land, das mit dem „Industrie 4.0“-Konzept doch zu den wichtigsten Digitalländern gehören will.

Passend zu diesen Themen habe ich einige Vorträge gehalten:

Die Techs kommen_Mai2015 from Holger Schmidt

Arbeiten 4.0 from Holger Schmidt

Kommunikation 4.0 from Holger Schmidt
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