Instagram-Chef Systrom: Rasanter Zuwachs in Deutschland

Instagram-Chef Systrom: Rasanter Zuwachs in Deutschland

Mark Zuckerberg hatte den richtigen Riecher. 2012 kaufte der Facebook-Chef im Alleingang die Foto-App Instagram, die damals mit gerade einmal 30 Millionen Anwendern bestenfalls als Hoffnungswert galt, aber ihm immerhin 737 Millionen Dollar wert war. Wer das damals für einen Wahnsinnpreis hielt, ist heute eines Besseren belehrt: Instagram hat seine Nutzerzahl in nur drei Jahren um das Zehnfache und seinen Wert gar um den Faktor 45 hochgeschraubt. Doch auch das soll noch nicht das Ende der Story sein: „Wir wollen nicht nur 300 Millionen Menschen in der Community sehen, sondern eine Milliarde eines Tages“, gab der Mitgründer und Vorstandschef Kevin Systrom im FOCUS-Interview das Ziel aus.

Tag für Tag melden sich 400000 Menschen neu auf Instagram an. „Das Tempo ist weiterhin sehr hoch. Wir haben kein Nachlassen bemerkt“, sagt Systrom, der in Deutschland gerade sein wichtigstes Zugpferd besuchte: den FC Bayern. Deren Mittelfeld-Star Mario Götze ist mit 2,6 Millionen Followern der prominenteste Instagrammer in Deutschland. Auch Verteidiger Jerome Boateng (1,1 Millionen) gehört zu den Top-10.

“Rasanter Anstieg in Deutschland”

Deutschland, muss Systrom zugeben, sei aber noch ein junger Markt. „Wir sehen aber einen rasanten Anstieg an Menschen in Deutschland, die auf Instagram aktiv sind. Es gibt drei Bereiche, in denen der Zuwachs besonders hoch ist: Mode, Sport und Kunst/Fotografie“. Wie immer gehe eine solche Entwicklung von jungen Menschen aus. Dazu passt das Ergebnis einer Umfrage der Agentur Mind Store Marketing unter 2600 Menschen. Danach hat der Anteil der Studenten, die Instagram nutzen, im vergangenen Jahr von 21 auf 31 Prozent zugelegt. „Wir wären nicht hier, wenn wir kein Momentum in Deutschland sehen würden“, sagt Systrom.

Als Kern seines Wachstums sieht Systrom die Pflege der Interessengruppen, die sich auf Instagram Fotos zeigen, aber längst auch im realen Leben treffen. „Die Community ist für uns ganz wichtig. Jeder kann eine Filter-App aufbauen, aber nicht jeder eine Community. Und deswegen sind wir in Deutschland“, erklärt Systrom.

Das Facebook-Werbemodell adaptiert

Sogenannte Community Manager helfen zum Beispiel Fotografen, ihre Fotos auf Instagram zu teilen. Auch in Deutschland kann er sich ein lokales Management vorstellen. „Ich würde sehr gerne ein deutsches Team zusammenstellen. Aber wann und wie, das wissen wir noch nicht – aber die Kultur und Kreativität in Deutschland passen wunderbar zu Instagram“, sagte Systrom.

Wie bei allen Netzwerken steht der Aufbau der Nutzerbasis im Vordergrund, bevor mit dem Geldverdienen angefangen wird. Systrom hat aber inzwischen erste Werbeformen in einigen Ländern eingeführt, konzipiert nach dem erprobten Vorbild der Mutterfirma Facebook: Werbefotos oder Videos werden einfach im Strom der Inhalte eingefügt und sollen am besten gar nicht als Werbung auffallen.

„Native Werbung“ heißt das Modell, das vor allem auf Smartphones prächtig funktioniert, da alle normalen Werbebanner, die sich über die eigentlichen Inhalte legen, dort als extrem störend empfunden werden. Besonders geschickt geht der britische Modehersteller Burberry dabei vor, dessen Lifestyle-Fotos sich schon mehr als zwei Millionen Menschen auf Instagram anschauen. Unter den deutschen Unternehmen gelten BMW und Mercedes als Vorreiter.

Weil Facebook mit diesem Werbeformat sehr viel Geld verdient, wird Instagram als nächstes großes Erfolgsmodell gesehen. Bis zum Jahr 2020 werde Instagram 5,8 Milliarden Dollar zum Facebook-Umsatz beisteuern, erwartet Analyst John Blackledge vom Finanzdienstleister Cowen, der das Unternehmen mit 33 Milliarden Dollar bewertet.

Kein Ranking-Algorithmus

Angst, dass auch Instagram wie die Mutter Facebook bald einen Algorithmus einführt, der auswählt, wer welche Fotos zu sehen bekommt, muss aber niemand haben, versichert Systrom. „Wenn man das Gefühl hat, dass man zu viele Fotos eines bestimmten Instagrammers sieht, kann man ganz einfach aufhören, ihm zu folgen. Ein Ranking-Algorithmus steht nicht auf unserer Agenda“, sagte Systrom.

Instagram stellt auch eigene Journalisten ein, die relativ unbekannte Instagrammer entdecken und vorstellen sollen. „Unser Ziel ist es aber nicht, Nachrichten anhand von Fotos abzubilden. Das ist nicht unser Ansatz“, erklärt Systrom den Unterschied zu vielen anderen US-Netzwerken. Facebook liebäugelt gerade mit dem Gedanken, die Inhalte der Medien komplett auf seinen Seiten zu zeigen. Beim Konkurrenten Snapchat zeigt zum Beispiel der Fernsehsender CNN seine Nachrichten, in der Hoffnung, von der Popularität der Netzwerke unter Jugendlichen etwas abzubekommen.

Für Systrom ist dieses Modell aber keine Option. Erstens: Die erfolgreichsten Technologieunternehmen haben historisch betrachtet keinen Erfolg damit, eigenen Inhalte zu erstellen. Zweitens: Wir sind sehr gut darin, Technologie zu entwickeln und die Community zu unterstützen. Darauf werden wir uns weiterhin konzentrieren“, verspricht er. Offenbar macht er den Job nicht schlecht: 70 Millionen Fotos werden täglich auf Instagram verbreitet.

Damit diese Fotos immer aktuell sind, verweigert das Unternehmen seinen Nutzern die Möglichkeit, Fotos von der Festplatte eines Computers hochzuladen. „Instagram zeigt Fotos, die in einem besonderen Moment aufgenommen wurden. Andere Seiten zeigen Fotos, die zu einem früheren Zeitpunkt gemacht wurden. Ein Web-Upload würde den Charakter von Instagram von der Gegenwart in die Vergangenheit verlagern“. Genau das wolle Instagram nicht.

Wenn Mark Zuckerbergs Plan aufgeht, wird Instagram nach Facebook, WhatsApp und dem Messenger seine vierte App sein, die eines Tages von einer Milliarde Menschen genutzt wird. Google war der Dominator auf den PCs; aber Facebook beherrscht das mobile Internet.

Die Grafik zeigt die weltweite Nutzung sozialer Netzwerke.

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Das komplette Interview mit Kevin Systrom ist im neuen FOCUS zu lesen.

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Fotos: Florian Generotzky (www.generotzky.de)

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