Der Medienwandel eines Jahrzehnts in vier Charts

Der Medienwandel eines Jahrzehnts in vier Charts

Die folgenden Grafiken zeigen das Informationsverhalten der Deutschen zwischen 2004 und 2014. Sie basieren auf der Computer- und Technikanalyse (ACTA) des Instituts für Demoskopie Allensbach. Dafür wurden 9000 Menschen befragt, ob sie sich am Vortag in der Zeitung, im Internet, im Fernsehen oder im Radio über das aktuelle Geschehen informiert haben. Ergänzend dazu sind die durchschnittlichen jährlichen Veränderungsraten (CAGR) für die einzelnen Altersstufen und Bildungsgrade aufgeführt. (Das Institut ist so freundlich, mir jedes Jahr die Aufschlüsselung nach Alter und formaler Bildung zu errechnen, da Durchschnittsbetrachtungen die Dynamik oft verschleiern). Wie immer muss bei diesen Zahlen erwähnt werden, dass der Wechsel zum Beispiel von der Zeitung ins Internet nicht unbedingt auch den Wechsel des Anbieters bedeutet, wenn der Nutzer dann auf die digitalen Angebote des Verlags zugreift. Wie sich dieser Wechsel auf den durchschnittlichen Umsatz je Nutzer/Leser auswirkt, wird in den Grafiken weiter unten gezeigt. Und hier nun die Grafiken:

1. Anteil der Menschen in Deutschland, die sich am Vortag in der Zeitung über das aktuelle Geschehen informiert haben.

Die Werte gehen in allen Bevölkerungsschichten deutlich zurück. Unter jungen Akademikern und Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren ist dieser Rückgang am größten.

Habe mich gestern in der Zeitung ueber das aktuelle Geschehen informiert

 

2. Anteil der Menschen in Deutschland, die sich am Vortag im Fernsehen über das aktuelle Geschehen informiert haben.

Die Nutzung des Fernsehens als Informationsmedium geht in allen Bevölkerungsschichten leicht zurück; unter den Jugendlichen fällt der Rückgang allerdings am kräftigsten aus.

Habe mich gestern im Fernsehen ueber das aktuelle Geschehen informiert

 

3. Anteil der Menschen in Deutschland, die sich am Vortag im Radio über das aktuelle Geschehen informiert haben.

Das Radio hält sich als Informationsmedium relativ konstant, verliert aber auch unter Jugendlichen deutlich.

Habe mich gestern im Radio ueber das aktuelle Geschehen informiert

 

4. Anteil der Menschen in Deutschland, die sich am Vortag im Internet über das aktuelle Geschehen informiert haben.

Wie zu erwarten gewinnt das Internet in der gesamtem Bevölkerung deutlich. Akademiker aller Altersstufen lesen oder schauen Nachrichten im Netz deutlich häufiger als der Durchschnitt der Bevölkerung und junge Menschen.

Habe mich gestern im Internet ueber das aktuelle Geschehen informiert

Die wichtigsten Erkenntnisse in Kurzform:

– Das Internet hat (bisher) nur die Nutzung der Tageszeitung als Nachrichtenmedium erheblich unter Druck gebracht. Fernsehen und Radio verlieren als Informationsanbieter im Durchschnitt der Bevölkerung nur leicht. Der Grund: Substitutionsprodukte für die gedruckte Zeitung sind einfach zugänglich und meist sogar billiger. Viele Substitutionsgüter für Fernsehen und Radio sind dagegen kostenpflichtig.

– ABER: Die Jugend (14-19 Jahre) substituiert alle klassischen Medien durch das Internet. Die jährlichen Änderungsraten in der Nutzung klassischer Medien sind in dieser Altersgruppe durchweg am höchsten. Häufige zu beobachten Änderungen: Youtube / Netflix / Watchever / Amazon Prime ersetzen das Fernsehen, Spotify / Deezer das Radio und Facbeook / Twitter die Zeitung. Abgesehen davon ist der absolute Anteil der Jugendlichen, die überhaupt Nachrichten konsumieren, unabhängig vom Medium ziemlich niedrig.

– Fernseh- und Radio-Macher können sich trotz ihrer vergleichsweise stabilen Lage nicht zurücklehnen. Ihre Zuschauer/Hörer überaltern und werden weniger attraktiv für Werbung. Zudem werden Substitutionsangebote besser und billiger. Apple Beats könnte 5 Dollar im Monat kosten und damit die Substitutionseffekte verstärken.

Die ökonomischen Effekte des Medienwandels

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Medienwandels treffen die Zeitungsbranche und die Publikumszeitschriften hart, während die Fachzeitschriften, Fernsehen und Radio bisher wirtschaftlich gut bis sehr gut durchgekommen sind, wie die folgenden Grafiken zeigen.

Umsatzquellen der Publikumszeitschriften

Hart verkaufte Zeitungsauflage sinkt stetig

Umsatzquellen deutscher Zeitungen

Umsatzquellen der Fachzeitschriften

Umsatzquellen der Fernsehsender

Umsatzquellen der Radiosender

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