“Künstliche Intelligenz schafft eine massive Arbeitslosigkeit”

“Künstliche Intelligenz schafft eine massive Arbeitslosigkeit”

Wenn Raffaello D’Andrea seine Drohnen fliegen lässt, wird schlagartig klar, was intelligente Maschinen leisten können. Mit einem Ball spielen sie Ping-Pong gegeneinander oder balancieren Wassergläser, ohne einen Tropfen zu verschütten. Das Besondere daran: Die Drohnen agieren selbständig, werden also nicht von Menschen gesteuert. „Algorithmen sind die Magie, um diese Maschinen zum Leben zu erwecken“, erklärt der Robotik-Professor seine revolutionäre Technik, die er auf der Burda-Digitalkonferenz DLD in München präsentieren wird.

Damit die Drohnen richtig reagieren, passen sie ihre Position 50 Mal in der Sekunde an die gerade aktuelle Position des Balles an. „Die gewünschte Reaktion wird also erreicht, indem die Maschine alle 20 Millisekunden neu über die gerade beste Reaktion entscheidet“, erklärt der Wissenschaftler. Dieses Prinzip lasse sich für viele Aufgaben anwenden.

Doch D’Andrea baut seine Maschinen nicht zum Spaß – nicht ausschließlich zumindest. Einsatzfelder für seine autonom fliegenden Drohnen sieht er vor allen in den Gebieten Überwachung, Landwirtschaft und Video/Fotografie.

“Logistik wird ihren unvermeidlichen Weg in die Autonomie fortsetzen”

Er ist auch Mitgründer von Kiva Systems, eine Roboterhersteller, den der Online-Händler Amazon für 775 Millionen Dollar gekauft hat. Die Kiva-Roboter fahren bis zu 350 Kilogramm schwere Regale mit den bestellten Produkten durch die Warenhäuser und bringen sie zu den Menschen, die dann nur noch die Pakete packen müssen. 15000 Roboter hatte Amazon im vergangenen Weihnachtsgeschäft in seinen US-Warenhäusern im Einsatz, um den Bestelleingang möglichst schnell abzuarbeiten. Menschen werden dort immer seltener gebraucht. „Logistik, Distribution und Lagerwirtschaft werden ihren unvermeidlichen Marsch in Richtung Autonomie fortzusetzen. Der Mehrwert, den Menschen in diesem Gebiet noch beisteuern können, wird immer geringer, da sich die Aufgaben stets wiederholen“, sagt D’Andrea voraus. Denn mit Hilfe mathematischer Modelle lassen sich heute Kontrollsysteme bauen, die Maschinen unterschiedliche Aufgaben erfüllen lassen, dabei aber Stabilität garantieren und auch noch lernfähig sind. „Die Möglichkeiten, dass Maschinen zusammen lernen können, sich unglaublich kraftvoll“, sagt D’Andrea. Aber auch unglaublich gefährlich, denn ein Missbrauch, zum Beispiel als Waffen, sei nicht auszuschließen.

“Künstliche Intelligenz schafft eine massive Arbeitslosigkeit”

Gerade hat eine Gruppe von Wissenschaftlern, darunter der britische Physiker Stephen Hawking und der Tesla-Gründer Elon Musk, in einem offenen Brief vor den Gefahren der intelligenten Maschinen gewarnt. Kurzfristig sorgen sich die Wissenschaftler um intelligente Waffensysteme und selbstfahrende Autos; langfristig bedeuteten auch Maschinen, die intelligenter als Menschen seien, eine Gefahr. „Ich würde den Brief aber nicht als Aufforderung verstehen, dass die Menschheit vor den Maschinen zu schützen sei“, wiegelt D’Andrea ab. Die Wissenschaftler forderten lediglich einen verantwortungsvollen Umgang mit der künstlichen Intelligenz. „Auf jeden Fall brauchen wir nicht zu befürchten, dass die Menschen von den Maschinen versklavt werden“, gibt er Entwarnung.

Doch die Folgen der schlauen Maschinen seien auch nicht zu unterschätzen. „Wir bekommen eine massive Arbeitslosigkeit. Weil sich Innovationen selbst beschleunigen, wird es immer schwieriger, neue Technologien behutsam einzuführen. Der Wandel vollzieht sich so schnell, dass die Menschen nicht mehr schnell genug umgeschult oder in den Ruhestand geschickt werden können”, sagt D’Andrea. Und die Verlängerung des Renteneintrittsalters ist an dieser Stelle nicht hilfreich.

Die Frage, wie sich die intelligenten Maschinen auf Arbeitslosigkeit, Löhne und die Einkommensverteilung auswirken werden, gehört zu den großen gesellschaftlichen Aspekten der digitalen Welt. Aus technischem Fortschritt in der Vergangenheit ist bekannt, dass stets auch neue Jobs an anderen Stellen geschaffen wurden. Aber das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit könnte sich im “Second Machine Age” signifikant in Richtung des Kapitals verschieben, was die Arbeitsproduktivität erhöhen wird. Aufzuhalten ist das nicht.

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