Zwei Drittel der Deutschen laden keine neuen Apps mehr herunter

Zwei Drittel der Deutschen laden keine neuen Apps mehr herunter

Der Hype um die Apps geht zu Ende. Zwei Drittel der etwa 40 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland über 18 Jahre laden überhaupt keine neuen Apps mehr auf ihre Geräte; weitere 20 Prozent maximal eine oder zwei Apps im Monat, berichtet der FOCUS aus einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens comScore.

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„Der Hype ist vorbei“ folgert auch Ralf Esser. Der Technikexperte der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Deloitte, der 2000 deutsche Handy-Besitzer nach ihren Gewohnheiten gefragt hat, ist dabei zu einem ähnlichen Ergebnis kommt:  „Die Nutzer machen keine Experimente mehr. Niemand braucht die 300. Fußball-App“. Zwar wächst die Zahl der Downloads wegen der steigenden Zahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland insgesamt noch leicht. Da aber auch dieser Markt kurz vor seiner Sättigung steht, sind die goldenen Zeiten bald vorbei. Der Kuchen ist weitgehend verteilt.

Die Lieblings-Apps der Smartphone-Nutzer in Deutschland heißen Facebook (inklusive WhatsApp und Instagram) und Google (Youtube, Maps, Suche). Dazu kommen Amazon und Ebay, die Deutsche Bahn, das Wetter und der Kicker bei den Fußballfans. Noch die eine oder andere Nachrichten-App – und der Grundbedarf neben der Standardausstattung (Browser, Telefon) ist schon gedeckt. Zwar gibt es immer mal wieder Neueinsteiger wie Snapchat oder Yo, doch die kommen selten aus Europa.Entsprechend hat sich das Wachstumstempo der App-Ökonomie in Europa verlangsamt. Während die Branche weltweit um 27 Prozent im Jahr zulegt, sind es in Europa nur noch 12 Prozent, zeigt der App Economy Report 2014. Das Wachstum findet heute vorwiegend in Asien statt.

Aufgeschlüsselt nach den Betriebssystemen laden die Apple-Kunden die meisten Apps aus dem App-Store, gefolgt von Andoid, Microsoft und den fast inaktiven Blackberry-Nutzern.

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Das Ergebnis bedeutet natürlich nicht, dass die Apps an Popularität verlieren. Im Gegenteil: Der Großteil der privaten Internet-Nutzung findet inzwischen in mobilen Apps statt und der Anteil steigt weiter. Auf Smartphones haben sich Apps klar gegenüber dem Browser durchgesetzt; auf Tablets hat der Browser eine etwas höhere Bedeutung, ist aber den Apps ebenfalls klar unterlegen.

Online-Zeit

Dieser Trend sei weltweit in reifen Märkten zu beobachten, erklärt Patrick Kane, Chef des Marktforschers Priori Data. „Die Zahl der genutzten Apps bereinigt sich gerade. Allerdings werden die wenigen Apps, die sich durchgesetzt haben, immer stärker genutzt.“

Allerdings wird nicht alles mobil erledigt. Für die Suche, den Online-Handel und auch Bankgeschäfte werden weiterhin bevorzugt auf den großen Desktop-Rechnern bevorzugt. “Die Kunden wollen keine komplexen Bankgeschäfte auf einem kleinen Smartphone-Display erledigen“, sagt Andreas Schilling vom Beratungsunternehmen Steria Mummert Consulting, Zwar bieten fast alle Banken in Deutschland Apps an, aber nur jeder dritte Smartphone-Besitzer setzt sie auch ein. Vor die Wahl gestellt, die Bankgeschäfte lieber auf der klassische Internetseite oder in der mobilen App erledigen, entscheiden sich zwei Drittel für die Homepage und nur 12 Prozent für die App, hat Schilling mit einer Umfrage herausgefunden.

Dass der Großteil der Nutzung auf eine Handvoll Apps entfällt, erhöht die Konzentration in der Internet-Branche weiter. Allein auf Google und Facebook entfallen etwa 70 Prozent der weltweiten mobilen Werbeeinnahmen, die in diesem Jahr gut 30 Milliarden Dollar ausmachen. Wichtiger noch: Die Smartphones helfen den „Big 5“ im Internet, also Google, Apple, Facebook, Amazon und Ebay/PayPal, noch mehr Informationen über ihre Nutzer zu sammeln. „Diese Daten helfen den Big 5, noch viel mächtiger zu werden als sie heute schon sind“, befürchtet Kay Pousttchi, Forscher an der Universität Augsburg.

Doch die Vorentscheidung auf dem Smartphone ist in der schnelllebigen Technik-Welt nur eine Momentaufnahme. Die wahrscheinlich nächste Computergeneration, die sogenannten Wearables, die am Körper getragen werden, eröffnen das Spiel neu. Intelligente Uhren, Brillen, Kopfhörer und Kleidungsstücke, aber auch intelligente Häuser oder Autos bringen neue Chancen. „Die Big 5 werden allerdings auch in diesen Querschnittsthemen zwischen realer und virtueller Welt die Hauptrolle spielen“, erwartet Pousttchi. Denn sie können ihre Erfahrungen aus dem Internet aus der Analyse der Daten übertragen. Für die Konkurrenz hat Pousttchi aber auch einen Rat: „Allianzen schließen und Anbieter so lange aufaddieren, um so groß wie Google zu werde

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