Die Köpfe hinter den wertvollsten Start-ups im Internet

Die Köpfe hinter den wertvollsten Start-ups im Internet

Wenn Ralph Dommermuth, der scharf rechnende und sonst eher risikoaverse Chef von United Internet, 435 Millionen Euro für 10,7 Prozent an Rocket Internet zahlt, reibt man sich verwundert die Augen. Gilt die Samwer’sche Start-Up-Fabrik doch als die riskanteste Börsenwette des Jahres, da fast alle Rocket-Firmen noch in der Aufbauphase stecken und Geld verlieren. Doch Oliver Samwer hat ihn offenbar überzeugt, denn Dommermuths Einstieg macht Rocket Internet mit 4,3 Milliarden Euro (5,8 Milliarden Dollar) zu einem der höchstbewerteten Internet-Start-ups der Welt. Gerade eine Woche zuvor war der Einstieg des philippinischen Telekom-Konzerns PLDT noch zu einer Bewertung von 3,3 Milliarden Euro erfolgt. Eine Milliarde Euro Wertzuwachs in einer Woche scheint aber niemanden zu beunruhigen. Die Aktie von United Internet legte am Montag bis zu 4,4 Prozent zu.

Denn die Milliarden sitzen im aktuellen Start-Up-Poker ohnehin locker. Nur einen Tag brauchte Amazon-Chef Jeff Bezos kürzlich für seine Reaktion, als Flipkart, Amazons größter Konkurrent in Indien, die Rekordfinanzspritze von einer Milliarde Dollar verkündete. Dann konterte Bezos mit der Ankündigung, selbst zwei Milliarden Dollar in das Geschäft in Indien zu stecken. „Mit der zusätzlichen Investition kann unser Team weiterhin groß denken“, begründete der Amazon-Chef den ungewöhnlichen Schritt. Denn normalerweise werden solche Entscheidungen nicht öffentlich verkündet. Aber offenbar nimmt Bezos das Unternehmen seiner ehemaligen Angestellten Binny und Sachin Bansal sehr ernst, denn Flipkart ist mit der Transaktion nun mit 5 Milliarden Dollar bewertet und gehört damit ebenso in die Top-10 der Internet-Start-ups.

Uber führt vor Xiaomi, Airbnb und Dropbox

Mit 18 Milliarden Dollar als Bewertung führt der Chauffeursdienst Uber im Moment die Liste an, gefolgt vom chinesischen Apple-Nachahmer Xiaomi, Wohnungsvermittler Airbnb (10 Milliarden) und dem Cloud-Dienst Dropbox. Mit Rocket Internet, dem Musikdienst Spotify und dem Modehändler Zalando sind immerhin drei europäische Unternehmen in der ersten Liga vertreten, deren Bewertungen auf der jüngsten Beteiligung/Finanzierungsrunde basieren. (Aktuelle Werte können natürlich davon abweichen. Zum Beispiel sieht sich Spotify ebenfalls bei 10 Milliarden Dollar und auch für Snapchat werden schon mal 10 Milliarden Dollar als Wert genannt.)

Wertvolle Startups

 

Hier die Macher hinter den wertvollsten Internet-Start-ups:

Der Taxi-Krieger: Travis Kalanick (Uber)

Der Taxi-Krieger

Der Taxi-Krieger

„Wir sind im Krieg mit der Taxi-Branche“. Martialische Sätze dieser Art sagt Travis Kalanick gerne. Der Seriengründer, der wohlmeinend als „extrem selbstbewusst“ beschrieben wird, hat den Chauffeurdienst Uber zum höchstbewerteten Start-Up der Welt aufgebaut. Dabei schien seine Karriere schon beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Kalanick hatte die Uni früh verlassen, um die Musiktauschbörse Scour zu gründen. Doch relativ schnell musste sein Napster-Klon vor den Klagen der Musikindustrie kapitulieren und Insolvenz anmelden. Offenbar hat der Kalifornier aber daraus gelernt: Seine zweite Firma machte ihn reich und seine dritte Gründung Uber zum Shooting-Star im Silicon Valley. Sein Ziel: Uber zu einer „städtischen Logistik-Fabrik“ zu machen, die bald nicht nur Menschen, sondern auch Waren transportiert. Proteste der Taxifahrer oder Verbote der Behörden spornen ihn nur an. Die Armee für seinen Krieg besteht aus Anwälten, die überall auf der Welt gegen die Beförderungsvorschriften vorgehen. Ihr Lieblingsargument: Die Schutzgesetze stammten aus einer Zeit, als es noch keine Smartphones gab. Eine moderne Stadt dürfe sich dem Fortschritt – also Uber – nicht verschließen. Im Valley wird vermutet, dass Uber nur der Vorbote eines viel größeren Plans ist: Kalanick soll im Auftrag des Hauptfinanziers Google das Reservierungssystem für die selbstfahrenden Autos aufbauen. Protestierende Fahrer gebe es dann ohnehin nicht mehr.

Der Cloud-König: Drew Houston (Dropbox)

Der Cloud-König

Drew Houston, Dropbox

Wer kann schon von sich behaupten, mit 26 Jahren ein Angebot von Apple-Gründer Steve Jobs zu bekommen, sein Startup für eine neunstellige Summe zu kaufen – und es abzulehnen? Drew Houston, der eher schüchterne Absolvent der Eliteuniversität MIT, hat es gemacht. Damals hatte sein Unternehmen Dropbox gerade einmal 50 Millionen Nutzer und Apple kein vernünftiges Cloud-Angebot, um alle Daten bequem zwischen verschiedenen Geräten zu synchronisieren. Zwar sagen alle erfolgreichen Gründer, dass sie lieber eine große und unabhängige Firma aufbauen wollen statt dem Reiz des schnellen Geldes zu erliegen. Doch wenn das Angebot auf dem Tisch liegt, fallen sie meist doch um. Nicht so Houston. Obwohl ihm die Knie schlotterten, als Jobs ihm nach der Absage freundlich lächelnd erklärte, Dropbox nun mit einem eigenen Angebot aus dem Markt zu drängen. Doch Houston hielt dagegen und siegte. 300 Millionen Menschen lagern heute ihre Daten in der Dropbox,  weil es so einfach und bequem ist, eine Art Festplatte zu haben, auf die man überall auf der Welt zugreifen kann. Die Gefahr für sein Geschäft kommt aus einer anderen Ecke: Google hat gerade einen Preiskampf für Cloud-Dienste angezettelt, der sogar Amazon weh tut. Houston gefährlichster Gegner heißt nun Larry Page.

Der Hotel-Schreck: Brian-Chesky (Airbnb)

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Brian-Chesky

Sie waren jung, arbeitslos und pleite. Als Brian Chesky und sein Kumpel Joe Gebbia 2008 eine Konferenz in San Francisco besuchten, fanden sie keine bezahlbaren Hotelzimmer, hatten aber ein Idee. Sie kauften drei Luftmatrazen, um sie an anschließend auf der Website „Air Bed and Breakfast“ (Luftmatraze und Frühstück) an andere gestrandete Konferenzbesucher zu vermieten. Das war die Geburtsstunde von Airbnb, das sich seitdem zum weltgrößten privaten Zimmervermittler entwickelt hat.  Chesky, der Ex-Bodybuilder, ist bis heute der visionäre Kopf der Firma, der seine Mitarbeiter auch schon mal morgens um 5 Uhr anruft, wenn ihm ein Gedanke durch den Kopf geht. Übrigens wohnt er auch heute noch mit Joe Gebbia in dem kleinen Appartement in San Francisco, in dem sie 2008 Airbnb gegründet haben. Den nächsten Entwicklungsschritt für Airbnb hat er sich gerade einfallen lassen: Günstige Zimmer für Geschäftsleute, die bei Konferenzen keine 300 Euro die Nacht für ein Hotelzimmer zahlen wollen.

Der Steve Jobs Chinas: Lei Jun (Xiaomi)

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Jei Lin, Xiaomi

Nicht viele Tech-Unternehmer haben die Chuzpe, sich mit Steve Jobs und Apple zu vergleichen. Lei Jun legt sogar noch einen drauf. „Wir sind besser als Apple“, erklärt der Gründer von Xiaomi. Wenn er  seine neuen Smartphones mit dem Namen Mi vorstellt, liegen ihm die Fans zu Füßen. Jede Produktneuheit wird bejubelt, sei sie noch so banal. Wie einst Steve Jobs hat auch Lei Jun mit dem Starkult Erfolg, denn Xiaomi hat Apple in China gerade überholt. Lei Jun ist der Superstar unter Chinas neuen Tech-Unternehmern. Sein Unternehmen produziert erst seit 2010 Smartphones, gilt aber schon als einer der schärfsten Herausforderer für die Platzhirschen Apple und Samsung. Denn seine Geräte sind schön und technisch hochwertig, kosten aber nur die Hälfte der Spitzenmodelle der Konkurrenz. Dass er mit seinem Konzept nicht nur China erobern will, zeigte Lei Jun, als den Top-Manager Hugo Barra von Google abwarb. Er gehört zur Generation der Manager, die schon einige Erfahrung gesammelt haben und erst mit ihrem dritten oder vierten Unternehmen richtig durchstarten. Neun Jahre leitete er den Antivirus-Hersteller Kingsoft und gründete parallel den Online-Händler Joyo. Ihm gehören außerdem Anteile an gleich vier chinesischen Internetfirmen. Noch ist Lei Jun mit seinen Produkten nicht in Europa präsent. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.

 Der Intellektuelle: Alex Karp, Palantir

Alex Karp

Alex Karp, Palantir

Philosoph, Jurist, Vermögensverwalter. Alex Karp könnte alles machen. Er hat seinen Doktor der Philosophie bei Jürgen Habermas in Frankfurt und einen Jura-Abschluss in Stanford gemacht. Er spricht mehrere Sprachen und löst Rubiks Zauberwürfel in weniger als einer Minute. Einige Milliardäre in Europa waren von ihm so beeindruckt, dass sie ihn als Vermögensverwalter engagierten. Doch der Mann, der nie Autofahren lernte, weil er mit dem Lesen seiner Bücher zu beschäftigt war, ging zu Palantir. Der deutsche Investor Peter Thiel, der Palantir mitgegründet hatte, holte den intellektuellen „Dr. Karp“ aus Europa an die Spitze des Silicon-Valley-Unternehmens, um die ganz dicken Bretter zu bohren. Nämlich die wichtigen Zusammenhänge in den immer größer werdenden Datenmengen zu finden, um die „wichtigsten Probleme der Welt zu lösen“, wie es Karp formuliert. Im täglichen Geschäft macht er es dann aber doch eine Nummer kleiner. Er erklärt Banken, wie sie einen Kurssturz aus ihren Daten vorhersehen können. Und Amerikas Geheimdiensten, wie sie Terroristen frühzeitig erkennen. Der amerikanische Geheimdienst CIA gehört zu den Investoren von Palantir, was einen Schatten auf das geheimnisvolle Unternehmen wirft. Ein Börsengang ist daher wohl kaum zu erwarten.

Der Unvollendete: Jack Dorsey, Square

Jack Dorsey

Jack Dorsey, Square

Jack Dorsey hat in seinem Leben schon vieles versucht. Er wollte Zeichner werden, Masseur, Modedesigner. Aber immer spukte dabei in seinem Kopf die Idee herum, wie Menschen die Meldungen über das aktuelle Geschehen mit ihrem Aufenthaltsort verknüpfen können. Aus der Idee entstand der Kurznachrichtendienst Twitter, den Dorsey aber nur kurz leitete, weil die Geldgeber ihm die Führung nicht zutrauten. Also trat Dorsey in die zweite Reihe zurück und gründete schon kurz darauf Square, ein Kreditkartensystem für Smartphones und Tablets. Damit gelang Dorsey das Kunststück, eine zweite  Idee zu einem großen Unternehmen zu machen. Noch aber gibt es Zweifel an ihm: Den Verdienst, Twitter an die Börse geführt zu haben, gebührt dem heutigen Chef Dick Costolo. Und Square ist zwar hoch bewertet, aber einen Börsengang oder erfolgreichen Verkauf muss Dorsey, der so gerne wie Steve Jobs wäre, erst noch schaffen.

Der Aggressor: Oliver Samwer, Rocket Internet

Oliver Samwer, Rocket Internet

Oliver Samwer, Rocket Internet

„Sie verstehen das nicht, weil sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen“, brüskierte Oliver Samwer kürzlich die Chefs aller großen Handelskonzerne auf einem Branchentreff in Paris. Er gefällt sich in der Rolle des Enfant Terrible, während er seinen großen Plan verfolgt: Er den Online-Handel überall dort auf der Welt beherrschen, wo Amazon und Alibaba nicht sind. Also fliegt er rastlos zwischen Südamerika, Afrika, Asien und der Zentrale in Berlin hin und her, um seine Online-Läden hochzuziehen. Neben unbändigem Willen verfügt der „aggressivste Mann im Internet“ über ein zweites, wichtiges Talent: Er kann Investoren überzeugen. Denn er braucht ihr Geld, um seine Läden weiter hochzuziehen und – irgendwann einmal – profitabel zu machen. Bisher waren es meist reiche Privatinvestoren; bald sollen die Anleger an der Börse die weitere Expansion finanzieren: Nach Zalando soll Rocket Internet an die Börse. Läuft das gut, könnten auch Dafiti und Lamoda folgen. Funktioniert auch das, wäre Westwing an der Reihe. Zwischendurch könnte auch noch Hello Fresh in Australien an die Börse gehen.

Der Anti-Held: Ben Silbermann, Pinterest 

Ben Silbermann, Pinterest

Ben Silbermann, Pinterest

Seine Eltern sind Ärzte, seine Geschwister ebenso. Doch Ben Silbermann aus Iowa fand die Technik-Blogs interessant und ging nach dem Politik-Studium lieber ins Silicon Valley, um bei Google zu arbeiten. Aber nicht als hipper Programmierer, sondern im Kundendienst. Den Job schmiss er schnell hin, um Apps zu entwickeln. Das ging schief. Weil er aber schon als Kind gerne Dinge sammelte, erfand er Pinterest, eine Art Pinnwand für Bilder. So langweilig wie Silbermann kam aber auch seine Seite daher. Tag und Nacht diskutierte er mit den wenigen Nutzern, um seine Idee zu verbessern. Schließlich fand er doch noch sein Publikum, allerdings an unerwarteter Stelle. Nicht die technikbegeisterten Kalifornier, sondern die Hausfrauen im mittleren Westen der USA entdeckten Pinterest für sich. Sie nutzten die Seite als eine Art Schaufenster für Mode oder Inneneinrichtung und hefteten einfach Fotos der Kleider, Lampen oder Schränke, die ihnen gefielen, an ihre Pinnwände. Heraus kam ein „Google fürs Shopping“. Silbermann fand seinen Hochzeitsfotografen auf Pinterest, weil ihm seine Fotos gefielen. Weitgehend ungeachtet von der Tech-Szene hat der Silbermann sein Bildernetzwerk zu einer der wichtigen Inspirationsquellen für das Einkaufen gemacht. Das lieben seine Investoren, denn ums Geldverdienen muss er sich jetzt keine Sorgen mehr machen.

Die Amazon-Herausforderer: Sachin und Binny Bansal, Flipkart

Binny und Sachin Bansal, Flipkart

Binny und Sachin Bansal, Flipkart

Miteinander verwandt sind sie nicht, aber dicke Freunde: Binny und Sachin Bansal haben gemeinsam studiert und sind schließlich im selben Team beim Online-Händler Amazon gelandet. 2007 starteten sie dann aus ihrem Appartement ihren Online-Shop. Zehn Tage mussten sie warten, bevor sich der erste Kunde auf die Seite verirrte und ein Buch bestellte. Auch danach mussten sie geduldig sein, denn erst sei 2012 fliegt ihr Geschäft wirklich. Dabei haben die beiden Gründer ihr Modell geändert: Weg vom reinen Shop  und hin zu einem Vermittlungsmodell, wie es Alibaba in China sehr erfolgreich betreibt. Dennoch galten sie als heiße Anwärter, den Online-Handel in Indien für sich zu gewinnen. Als Erfolgsmodell gilt ihre Bodenständigkeit. Sie sind stets nah bei ihren Mitarbeitern, fliegen Economy und essen wie allen anderen Beschäftigten in der Kantine. Unterschiedlich sind sie trotzdem: Binny Bansal ist der kühle Analytiker, Sachin der Emotionale.

Der Eroberer: Robert Gentz, Zalando

Robert Gentz

Robert Gentz

Als Robert Gentz nach dem missglückten Versuch, einen Facbeook-Klon in Südamerika aufzubauen, so pleite war, dass er sich nicht einmal ein Rückflugticket nach Deutschland leisten konnte, half ihm Oliver Samwer. Das war 2008. Das Geld für den Start eines Online-Schuhhandels schoss dann AlexanderSamwerzu. Mit 50000 Euro probierte Gentz an Flipflops aus, was die Kunden wollten. Kostenlosen Versand und vor allem kostenlose Retouren, lautete seineErkenntnis. Die reichte, um Zalando zu gründen. Seitdem eröffnete er einen Online-Laden nach dem anderen, ohne in der Öffentlichkeit weiter aufzutreten. Das erledigte sein Mäzen und Mentor Oliver Samwer für ihn, für den Zalando ein wichtiges Zugpferd ist.

Der Mann fürs Geschäft: Tim Reilly, Cloudera

Reilly

Tim Reilly, Cloudera

Dass der Chiphersteller Intel 740 Millionen Dollar an Cloudera gezahlt hat, um einen 18 prozentigen Anteil an dem Unternehmen zu bekommen, hat wohl auch Tim Reilly überrascht. Denn erst kurz zuvor hat er 160 Millionen Dollar Risikokapital eingesammelt, was zur Finanzierung des Wachstums locker gereicht hätte. Aber offenbar ist die Technologie des Unternehmens, die riesige Datenmengen in Unternehmen verarbeiten kann, so begehrt, dass Intel den Fuß in die Tür setzte. Kein schlechter Start für Reilly, der erst seit 2013 für Cloudera arbeitet. Seine Erfahrung aus 30 Jahren IT-Branche mit Stationen bei Hewlett-Packard und IBM schaffen das nötige Vertrauen für den Gang an die Börse, der wohl bald ansteht.

Der coole Schwede: Daniel Ek, Spotify

Daniel Ek, Spotify

Daniel Ek, Spotify

Dass Daniel Ek den Musikdienst Spotify gegründet hat, verdankt er der Internet-Politik Schwedens. Denn Ek wohnte schon 1999 in Stockholm in einem Haus mit einer 100 Megabit-Anbindung an das Internet, die selbst heute noch als sehr schnell gilt. Damals, erzählt Ek später, konnte er schon sehen, wie das Internet das Musikgeschäft eines Tages verändern wird. Und er sollte Recht behalten, denn Streaming ist der Megatrend und Spotify mit Abstand der größte Anbieter. Dabei gilt Ek als cooler Typ, der sich aus dem Erfolg nichts macht. In Verhandlungen argumentiert er seine Gegenüber regelmäßig mit seinem Faktenwissen an die Wand. Sollte Spotify an die Börse gehen, wäre Ek auch dann der ideale Vorstandschef.

Notenbank-Chefin warnt vor Blase

Bewertungen, Aktienkurse und Investitionen steigen derart schnell an, dass jüngst sogar Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, in ungewohnter Manier vor zu hohen Bewertungen einiger Tech-Werte warnte. Doch im Unterschied zur Dot.Com-Blase im Jahr 2000 stehen hinter den Bewertungen der hochgehandelten Web-Firmen heute reale Geschäfte und meist auch schon Gewinne. Zudem gehen zur Zeit viel weniger Firmen an die Börse, die in der Regel wesentlich älter sind und deutlich höhere Umsätze erzielen als im Jahr 2000.

Anders als früher werden die teuren Start-ups heute meist von etablierten, hochprofitablen Web-Firmen gekauft, die ihr Geschäft absichern wollen. Die zehn teuersten Übernahmen in diesem Jahr leisteten sich Facebook (WhatsApp, Oculus), Google (Nest, Dropcam und DeepMind) und Apple (Beats). Daneben waren die asiatischen Online-Riesen Alibaba (Autonavi) und Rakuten (Viber) auf Einkaufstour. Aus dem Rahmen fiel eine Transaktion, die in Deutschland weitgehend unbemerkt geblieben war: Der Finanzinvestor Permira übernahm das Göppinger Unternehmen Teamviewer für kolportierte 1,1 Milliarden Dollar.

Zudem wird das Geld, das die Eigentümer und Investoren bei den Börsengängen und Verkäufen verdienen, nur selten in teure Yachten investiert, sondern dem Geldkreislauf im globalen Internetgeschäft schnell wieder zugeführt. Zum Beispiel gehören zu den Geldgebern von Flipkart zwei Risikokapitalgeber, die zuvor am Börsengang von Facebook Milliarden verdient haben. Der Effekt zeigt sich auch in der Statistik: Mit Ausnahme des Jahres 2000 wurde nie soviel Geld in US-Internetfirmen investiert wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Fünf Milliarden Dollar Risikokapital zwischen Januar und Juni bedeuten eine Verdoppelung gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Eine (nicht repräsentative) Umfrage unter einigen ausgewählten Digital-Experten aus Deutschland zeigt, welchen jungen Start-ups zugetraut wird, in einigen Jahren zu den Großen der Branche zu gehören. Zu den Favoriten gehört die französische Mitfahr-App Blablacar, die gerade 100 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt hat und damit Europas Gegengewicht zu den Amerikanern aufbauen könnte. In Deutschland werden NumberFour, dem Softwareunternehmen von Marco Börries, dem Online-Geldvermittler Kreditech und dem Forschernetzwerk Researchgate die größten Erfolge zugetraut. Für das vernetzte Haus werden der deutsche Thermostathersteller Tado und der US-Anbieter Plum als Hoffnungswerte genannt. Außerdem auf der Liste der Geheimtipps: Die Echtzeit-Nachrichten-App Inside.com und Docker.com. Das Unternehmen packt Apps in Container, die dann auf praktisch jedem Computersystem laufen. „Seit Linux habe ich kein Thema gesehen, das die etablierte IT-Welt derart intensiv verändern wird“, schwärmt Thomas Grota, Investment Direktor der Telekom-Beteiligungsgesellschaft T-Venture.

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