Woher die Leser der Nachrichten- und Click-Bait-Sites kommen
Upworthy, Viralnova

Woher die Leser der Nachrichten- und Click-Bait-Sites kommen

Der Erfolg der Click-Bait-Websites wie Upworthy, Viralnova oder Heftig.co in Deutschland findet auf Facebook statt. 75 Prozent des Traffics bekommen die beiden Amerikaner von Facebook; Heftig.co holt sogar 85 Prozent von Facebook, zeigen die Zahlen des Marktforschers SimilarWeb. Suchmaschinen oder die Direkteingabe spielen bei diesen Angeboten mit ihren perfekt formulierten Klick-Fänger-Überschriften keine wesentlichen Rollen. Das ist bei den klassischen Nachrichtenseiten ganz anders:

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Die wesentlichen Erkenntnisse aus den Daten:

1. Starke Marken mit einem hohen Anteil an Nutzern, die die Web-Adresse direkt in ihre Browser eintippen, besitzen in Deutschland vor allem Bild.de und Spiegel.de. Ihre Abhängigkeit von Google und Facebook ist mit einem Trafficanteil von zusammen jeweils 20 Prozent eher gering.

2. Viele eingehende Links von verschiedenen Quellen sind im Prinzip positiv als Ausdruck von Wertschätzung und Vertrauen zu bewerten. Spiegel, FAZ.NET, New York Times und der Guardian weisen hierbei vergleichsweise hohe Werte auf. Die 17,5 Prozent bei HuffingtonPost.com sind wesentlich auf die Muttergesellschaft AOL zurückzuführen.

3. Hohe Trafficwerte für Google und Facebook sind in Deutschland eher Zeichen für eine schlaue Optimierung und zeigen die Abhängigkeit von den Algorithmen der beiden Internet-Konzerne. Heftig.co funktioniert deshalb so gut, weil Facebook Beiträge mit hohen Interaktionsraten häufiger im Newsfeed zeigt als möglicherweise wichtige Nachrichten, die von den Nutzern vielleicht gelesen, aber nicht angeklickt oder kommentiert werden.

4. Andere soziale Netzwerke wie Twitter spielen nur bei den großen angelsächsischen Nachrichtensites New York Times und Guardian eine nennenswerte Rolle. Bei allen betrachteten deutschen Sites liegen die Facebook-Anteile am gesamten Social-Media-Traffic zwischen 83 und 96 Prozent, hat SimilarWeb errechnet.

5. Buzzfeed befindet sich genau dazwischen. Gegründet als Click-Bait hat der CEO Jonah Peretti inzwischen viele Top-Journalisten eingestellt, die schon viele Scoops geschafft haben. Daher nimmt der Anteil der Direkteingaben, der Links und der Suche zu, während Social Media an Bedeutung verliert.

6. Was man dazu wissen muss: Leser, die per Direkteingabe kommen, bleiben wesentlich länger auf der Site als Nutzer, die eher zufällig per Google oder Facebook auf die Seite geraten sind, hat Pew Research herausgefunden.

Pew Referral Traffic

Noch zwei Linktipps zu Heftig.co: Hier wird schön gezeigt, wie Heftig seine Inhalte zusammensammelt und wie wenig sich das Unternehmen dabei um das Urheberrecht kümmert. Und hier erklären die Macher, wer das Zeug eigentlich liest: „Frauen zwischen 25 und 45, die nicht medien-affin sind“

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