„Die Gewinner heißen Instagram und Amazon“
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„Die Gewinner heißen Instagram und Amazon“

Scott Galloway brauchte nur 20 Minuten, um die Gewinner und Verlierer der Web-Welt zu erklären. „Instagram und WeChat gewinnen im Social Web, Amazon im Handel. Alle anderen Online-Firmen verlieren“, erklärte der Marketing-Professor und Chef des Think-Tanks L2 auf der Burda Digitalkonferenz DLD, die erstmals in New York stattfand. Calloway erhebt Daten für 5000 Unternehmen, um ihre Entwicklung vergleichen zu können. Die eindeutig besten Werte in seiner Datenbank zeigt die Facebook-Tochter Instagram.

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Scott Galloway

Der Fotodienst werde sich in den nächsten 24 Monaten zur mächtigsten Plattform im Social Web entwickeln, weil er die beiden wichtigsten Entwicklung – Mobilität und Bilder – am besten vereine. Instagram sei mit 200 Millionen Nutzern zwar noch vergleichsweise klein, wachse jedoch schneller als jede andere soziale Plattform in der Welt und werde weit intensiver als Facebook oder Twitter genutzt. Zu den Gewinnern zählt Galloway auch die asiatischen Messaging-Apps WeChat, Kakao Talk und Line – nicht jedoch den aktuellen Marktführer WhatsApp. „WeChat wird die erste globale Internet-Marke aus China. Die App gehört zu den Top-10-Downloads in 23 Ländern“.

Twitter, Pinterest und Foursquare verlieren

Als Verlierer hat Calloway den Instagram-Konkurrenten Pinterest sowie Twitter und Foursquare identifiziert. „Twitter baut jetzt mehr Bilder ein, ist dabei aber zu langsam. Außerdem ist die Bedeutung in der Werbewelt vernachlässigbar.“, lautete sein vernichtendes Urteil. Zur Gruppe der Verlierer gehöre auch das Bloggernetzwerk Tumblr, für das Yahoo gerade 1,1 Milliarden Dollar ausgegeben hat. Eine Fehlinvestition, findet Galloway. „Instagram war die beste Übernahme der vergangenen 5 Jahre, Tumblr die schlechteste“, sagte der Professor.

Unter den Online-Händlern gebe es nur einen Gewinner: „Amazon bringt der Welt bei, wie eingekauft wird. Viele Händler glauben, die Kunden wollen Sonderangebote. Das stimmt aber nicht. Die Kunden wollen Lieferung am selben Tag oder schnell auf dem Smartphone ein Produkt bestellen. Das wird nur Amazon schaffen“, erklärte Galloway mit dem Hinweis auf das dichte Logistiknetz der Amerikaner. Amazon habe seine Gewinne von Anfang an reinvestiert und die Anleger mit der Aussicht auf eine glorreiche Zukunft ruhig gestellt.

Amazon hatte die niedrigsten Kapitalkosten

„Auf diese Weise hatte Amazon über einen langen Zeitraum die niedrigsten Kapitalkosten in der Branche und hat diesen Vorteil geschickt genutzt“. Amazon arbeite daran, allen Amerikanern innerhalb von vier Stunden die Hälfte aller benötigten Produkte ins Haus liefern zu können. „Kein anderer Online-Händler kann das Tempo mitgehen. Unternehmen wie Net-A-Porter, Gilt oder Fab werden an Wert verlieren, wenn sie nicht von Amazon gekauft werden “, sagte der Professor voraus.

Die Meinung, Amazon dränge alle stationären Händler aus dem Geschäft, sei aber falsch. Modehändler wie Macy’s hätten das Internet in ihre Prozesse integriert. Zu den Verlierern gehörten aber die stationären Händler, die wenige Berührungspunkte mit dem Internet hätten. Prada oder Hermes seien in dieser Gruppe, so Galloway. Zumal die Luxusgüterherstellern bald einen neuen Konkurrenten bekämen: Apple. Der Konzern habe gerade Angela Ahrendts angeheuert, die ehemalige Chefin von Burberry. „Angela Ahrendts wird nicht die Apple-Stores leiten, sondern das Unternehmen zum wertvollsten Luxusgüterproduzenten der Welt ausbauen“, erwartet Calloway.

Die Digitalisierung hinterlasse auch Spuren in der Gesellschaft: „Vor allem die Mittelklasse wird verlieren. Neue Jobs wird es für hochqualifizierte Menschen oder mit geringer Ausbildung geben“. Das Ergebnis: Die Einkommensverteilung werde immer ungleicher; die oberen 0,1 Prozent der Wohlfahrtspyramide könnten ihre Reichtum rasant steigern.

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