Klagen gegen Yelp ausgeweitet
© Jeremy Stoppelmann

Klagen gegen Yelp ausgeweitet

Die Klagewelle deutscher Geschäftsinhaber gegen die amerikanische Empfehlungsplattform Yelp wird ausgeweitet. Der Kölner Anwalt Christian Solmecke hat nun im Auftrag eines Schönheitssalons und eines Musikinstrumentenbauers Klage vor dem LG Hamburg gegen Yelp wegen einer Verletzung des „Unternehmerpersönlichkeitsrechts“ eingereicht, weil Yelp positive Empfehlungen von Internetnutzern nicht berücksichtigt habe. „Yelp stellt die unwahre Tatsachenbehauptung auf, meine Mandanten seien von den Nutzern schlecht bewertet worden. Das führt zu einem Anspruch auf Richtigstellung“, sagte Solmecke dem FOCUS.

Hintergrund der Klage: Nach der Übernahme des deutschen Konkurrenten Qype hatte Yelp viele positive Empfehlungen der Qype-Nutzer aus der Bewertung herausgefiltert. Seitdem häufen sich die Klagen von Geschäftsinhabern, dass die übrig gebliebenen schlechteren Bewertungen zu Umsatzausfällen führen. Solmecke beruft sich auf die sogenannte Autocomplete-Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Fall Bettina Wulff gegen Google. „Damals hat der BGH sinngemäß geurteilt, auch Maschinen können Persönlichkeitsrechte verletzen „. Der Google-Algorithmus sei mit dem Yelp-Filter vergleichbar.

„Der Yelp-Algorithmus funktioniert für Verbraucher, nicht für Ladenbesitzer“ (Jeremy Stoppelman)

Yelp-Chef Jeremy Stoppelman (Foto) kann die Aufregung in Deutschland nicht verstehen. „Yelp hat ein anderes System als Qype. Für Yelp zählen nur hochwertige, verlässliche Inhalte, damit die Verbraucher die richtigen Entscheidungen treffen“, sagte Stoppelman zu FOCUS. Daher sortiere der Yelp-Filter die Bewertungen der Kunden aus, die vom Ladenbesitzer dazu aufgefordert wurden. „Dieser Algorithmus ist extrem wichtig für unsere Glaubwürdigkeit. Ohne ihn würden wir mit Manipulationen oder Spam überschüttet werden. Es gibt immer wieder Ladenbesitzer, die damit nicht einverstanden sind. Aber der Algorithmus funktioniert für Verbraucher, nicht für Ladenbesitzer“, sagte Stoppelman, der Yelp 2004 gegründet hat. Zweifel am Algorithmus hat aber auch Stephan Uhrenbacher, der Gründer von Qype. „Yelp hat sein System ohne jede Anpassung über unsere Daten gezogen“, kritisiert Uhrenbacher. Mit den Ergebnissen sei er auch oft unzufrieden.

Zuvor sind schon andere Unternehmen gegen Yelp vorgegangen und weitere Klagen sind noch auf dem Weg. „Die für den Internetauftritt verantwortliche Europazentrale in Irland hat die Annahme einer Einstweiligen Verfügung wegen fehlender Übersetzung verweigert. Das Yelp-Büro in Hamburg reagiert nicht. Die Verfügung muss daher in englische Sprache übersetzt und dann offiziell in Dublin zugestellt werden. Das dauert. Yelp spielt auf Zeit, will offenbar Gras über die Sache wachsen lassen“, sagt der Hamburger Anwalt Hendrik Sievers, der die beauty&soul GmbH  vertritt.

Yelp kontert ganz gelassen: “Yelps Ziel in dieser Sache ist es, deutschen Verbrauchern nützliche Informationen zu empfehlen. Diese einstweiligen Verfügungen sind unsachgemäße Versuche Yelp von diesem Ziel abzuhalten – von Personen, die möglicherweise nicht mit den Empfehlungen einverstanden sind. Yelp hatte bisher nicht die Möglichkeit, in einer der Anhörungen zu erscheinen, in denen diese einstweiligen Verfügungen erlassen wurden. Sobald die entsprechenden Unterlagen ordnungsgemäß bei Yelp Irland, der richtigen Anlaufstelle für Yelp.de und andere europäische Yelp-Domänen, vorliegen, ist Yelp gerne bereit, seinen Fall vor einem Gericht zu vertreten. (Um einen ordnungsmäßigen Erhalt der Dokumente sicherzustellen, sehen es die Gesetze der EU und Irlands vor, dass Prozessparteien Dokumente, die bei Yelp Ireland eingehen, auf Englisch und nicht auf Deutsch senden müssen. Die Tatsache, dass es ein Büro in Deutschland gibt, oder dass Yelp eine Website betreibt, die Verbraucher in Deutschland erlaubt, ihre Erfahrungen mit lokalen Unternehmen zu teilen, erlaubt den Prozessparteien nicht, die Gesetze der EU oder Irland zu ignorieren.“

Der Streit geht damit in eine neue Runde. Am 7. März wird es die erste Verhandlung vor dem LG Hamburg geben.

Yelp hat mit der Qype-Übernahme rund 2000 deutsche Anzeigenkunden übernommen. Das Geschäft entwickelt sich sehr gut. In den vergangenen 12 Monaten hat der Kurs mehr als 300 Prozent an Wert gewonnen.

Jeremy Stoppelman auf dem DLD 2014 in München

Foto: DLD

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